#Ge·no·zid·blogger e.V.
31 Mrz 2017

Text: Corinna

April ist der Genocide Awareness and Prevention Month – in diesem Monat soll die Aufmerksamkeit für das Thema Völkermord und dessen Prävention gesteigert werden.

Aber warum ausgerechnet der April? Traurigerweise häufen sich die Jahrestage für viele Genozide genau in diesem Monat: Ruanda (06/04/1994), Armenien (24/04/1915), Kambodscha (17/04/1975), Bosnien (04/1992), Darfur (04/2003) sowie die Judendiskriminierung (04/1933), welche im Holocaust mündete.

Armenian Genocide MemorialFoto: z@doune/www.flickr.com/Creative Commons

#Ruanda

Der Genozid 1994 war einer der tödlichsten mit bis zu 800.000 Toten innerhalb von nur 100 Tagen. Der 06.04.1994 markierte den Beginn des Völkermordes: an diesem Abend wurde das Flugzeug mit Präsident Habyarimana an Bord im Landeanflug auf den Flughafen von Kigali mittels Boden-Luft-Raketen abgeschossen.

Am nächsten Morgen wurden alle moderaten Hutu umgebracht, und die Gewalt breitete sich wie ein Feuer aus. Die Interahamwe errichtete Straßenblockaden in Kigali, die Präsidentengarde blockte belgische UN Truppen am Flughafen, Peacekeeper wurden umstellt, entwaffnet und am Weiterfahren gehindert bzw. beschossen. Ca. 200.000 Zivilisten, ob aus Hass oder Angst, schlossen sich dem Töten an und benutzten dazu die einfachsten Waffen, wie z.B. Macheten, Keulen und Hacken, aber auch vereinzelt Gewehre. Niemand war mehr sicher, egal ob Frau, Mann, Kind, alt oder jung, Priester oder Nonne. In einigen Fällen töteten Hutu ihre eigenen Tutsi-Frauen, Verwandten und sogar ihre eigenen Kinder.

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Kigal, RuandaFoto: Oledoe/www.flickr.com/Creatice Commons

#Armenien

Der Mord an zirka 1,5 Mio. Armeniern geriet für lange Zeit in Vergessenheit, doch außer der Türkei zweifelt heute kaum ein Staat mehr an den Gräueltaten. Der Völkermord, bei welchem auch etwa 250.000 Assyrer und 350.000 Pontosgriechen umgebracht wurden, zählt heute neben Ruanda und dem Holocaust zu den drei großen Genoziden des 20. Jahrhunderts.

Am 24. April 1915 erfolgte der erste koordinierte Angriff auf die armenische Bevölkerung: in Konstantinopel wurden zwischen 200 und 300 Intellektuelle inhaftiert, getötet, gefoltert oder zu Tode gearbeitet. Alle Armenier in der Armee mussten ihre Waffen abgeben, wurden erschossen oder in Arbeitslager geschickt. Die Männer im kampffähigen Alter wurden vorrangig umgebracht, um all jene zu vernichten, die die Gemeinschaft noch verteidigen könnten. Die übrig gebliebenen Frauen, Kinder und Alten waren dann leichte Beute.

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ArmenienFoto: Bongiozzo/www.flickr.com/Creative Commons

#Kambodscha

Am 17.04.1975 übernahm die kommunistische Partei „Khmer Rouge“ (die Roten Khmer) die Macht in Kambodscha und entwickelte einen starken Hass gegenüber den sogenannten Feinden des Volkes. Sie zielten besonders auf Reiche, das Kleinbürgertum, Experten (besonders ausländische), Gelehrte, Intellektuelle und alle, die mit den USA zusammenarbeiteten, ab. Aber auch ethnische Minderheiten (Vietnamesen, Chinesen, Cham-Muslime) und Religiöse, die nicht an die Pseudoreligion der Khmer Rouge glaubten, waren Mode. Die gesamte Bevölkerung wurde zur Feldarbeit gezwungen. Die Menschen starben an Überarbeitung, Krankheiten, verhungerten, wurden hingerichtet oder zu Tode gefoltert. Schätzungen zufolge wurden in den knapp 4 Herrschaftsjahren der Khmer Rouge zwischen 1,7 und 1,9 Mio. Menschen von insgesamt nur 8 Mio. getötet.

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Tuol SlengFoto: Allie_Caulfield/www.flickr.com/Creative Commons

#Bosnien

Jugoslawien, angesiedelt auf dem Balkan, erlebte im Zuge des Bosnienkriegs (April 1992 – Dezember 1995) und des Kosovokriegs (1998 – 1999) eine ethnische Säuberungskampagne inkl. Genozid, welche den ersten Völkermord in Europa seit dem 2. Weltkrieg statuiert.

In Bosnien wurden serbische Konzentrationslager errichtet, in welchen muslimische Männer (und teilweise auch Frauen) gefangen gehalten, mit Knüppeln, Elektrokabeln, Stiefeln, Eisenstangen etc. geschlagen und misshandelt, ausgehungert, systematisch vergewaltigt und massenweise hingerichtet wurden. Im Juli 1995 griffen die Serben unter dem Kommando von General Mladic die Stadt Srebrenica an, wo sich zu diesem Zeitpunkt rund 50.000 Muslime schutzsuchend versammelt hatten. Mladic ließ die dort stationierten UN-Soldaten als Geiseln nehmen und trennten alle Männer und Jungen im kampffähigen Alter (16 – 60 Jahre) von den Frauen, Mädchen und Alten: etwa 8.000 Männer und Jungen wurden in Bussen weggeschafft und erschossen.

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BosnienFoto:ICTY photos/www.flickr.com/Creative Commons

#Darfur

In Darfur brach im April 2003 ein Völkermord aus, welcher bis heute über 300.000 Tote forderte und über 2,7 Mio. Menschen zur Flucht zwang.

Die sudanesische Regierung begeht mit Hilfe arabischen Nomaden (Janjaweed) unmenschliche Verbrechen an der Zivilbevölkerung: meist mit dem Morgengrauen greift die sudanesische Luftwaffe die Dörfer der afrikanischen Rebellen an und bombardiert sie. Kurz darauf kommen die Janjaweed und Regierungssoldaten auf Pferden und Kamelen geritten, um die letzten Überlebenden zu töten. Junge Männer werden zusammengetrieben, gefoltert und erschossen, manchmal aber auch aneinander gekettet und bei lebendigem Leibe verbrannt. Oft werden sie auch enthauptet und die Köpfe in die Brunnen der Dörfer geworfen, um das Wasser zu vergiften. Die Frauen werden entführt, vergewaltigt, verstümmelt oder getötet, die Häuser geplündert und die Dörfer verbrannt.

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DarfurFoto: Lutz Teutloff/www.flickr.com/Creative Commons

#Judendiskriminierung & Holocaust

Am 07. April 1933 erließ die Reichsregierung unter Adolf Hitler widerrechtlich das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, welches auf die Entfernung aller politischen Gegner und unliebsamen Personen aus dem öffentlichen Dienst abzielte. Auf Grund des darin enthaltenen „Arierparagraph“ verloren bis 5.000 jüdische Beamte ihren Job. Diesem Gesetz folgten noch viele weitere, unter anderem auch die „Nürnberger Gesetze“, das „Reichsbürgergesetz“ oder das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“, welche das Leben für die jüdische Bevölkerung im deutschen Reich unerträglich machten. Juden wurden zu Bürgern zweiter Klasse degradiert, man nahm ihnen die Gleichberechtigung, beschnitt ihre politischen Rechte und griff in ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lebensgestaltung ein.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs radikalisierte sich die ideologische Ausrichtung der Nazis und es war ihnen bald nicht mehr genug, die Juden aus dem Deutschen Reich zu vertreiben – ihre Vernichtung wurde zum Kriegsziel erklärt. Zwischen September 1939 und Mai 1945 töteten sie in ganz Europa sechs Millionen Juden unter anderem in eigens errichteten Vernichtungslagern, in Gaskammern, auf Todesmärschen oder bei Massenerschießungen.

Weiterlesen Judendiskriminierung

Weiterlesen Holocaust Teil 1

Weiterlesen Holocaust Teil 2

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