#Ge·no·zid·blogger e.V.
3 Okt 2014

#Genocide (Genozid, Völkermord)

(griech. genos = Rasse, Volk / lat. caedere = töten)

#Definition
Das Wort ‚Genocide‘ ist zusammengesetzt aus dem griechischen Wort genos (Rasse/ Volk) und dem lateinischen Wort caedere (töten). Es wurde von dem polnischen Juden und Anwalt Raffael Lemkin 1944 in seinem Buch „Axis Rule in Occupied Europe“ eingeführt. Er war darüber entsetzt, dass es kein Gesetz gab, auf dessen Grundlage die Verantwortlichen des Massenmords an den Armeniern während des 1. Weltkriegs hätten bestraft werden können. Er war schockiert, dass eine ganze Nation umgebracht wurde und die Verantwortlichen dafür frei herumliefen. Warum sollte der Mord an Millionen von Menschen weniger schlimm sein als der Mord an einer einzigen Person?[1]

Genozid Völkermord

Nach heutiger Gesetzeslage ist Genozid ein Verbrechen unter internationalem Recht und bezeichnet die Auslöschung von Bevölkerungsgruppen mit spezifischen Merkmalen. Das Internationale Straftribunal für Ruanda (ICTR) bezeichnete in seinem Urteil gegen den ehemaligen Präsidenten von Ruanda, Jean Kambanda, Genozid als das „Verbrechen aller Verbrechen“. [2]

#Völkermord-Konvention
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der Vereinten Nationen 1945 wurde auf Drängen von Raffael Lemkin hin am 09.12.1948 das „Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ ratifiziert, um ein weiteres Verbrechen wie den Holocaust zu verhindern und um die Straflosigkeit abzuschaffen. Die Konvention trat am 12.01.1951 in Kraft und wurde inzwischen von 140 Staaten ratifiziert.[3]

Gemäß Artikel 2 dieser Konvention bedeutet Völkermord:

[…] eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

(a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

(b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

(c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

(d) Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe ausgerichtet sind;

(e) gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

#Krieg & #Frieden
Ein Genozid kann sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten durchgeführt werden. Es ist eine einseitige Form von Massenmord, denn die Opfer sind wehr- und schutzlose Zivilisten, und der Staat ist oft der Täter, welchem alle möglichen Ressourcen zur Zerstörung der Gruppe bereit stehen.

Berlin Völkermord

Aber wieso kommt man auf die Idee, Tausende oder gar Millionen von Menschen umzubringen? Laut Helen Fein gibt es die folgenden 4 Gründe:

1. Entwicklungsbezogener Genozid – die Täter wollen die Kontrolle über ein bestimmtes Gebiet bzw. ökonomischen Reichtum erlangen;

2. Willkürlicher Genozid – die Täter wollen die Gruppe zerstören, die ihrer Meinung nach ihrer totalen Herrschaft im Wege steht;

3. Vergeltender Genozid – steht in Verbindung mit der Angst vor oder der Erfahrung mit realen oder eingebildeten feindseligen Akten: eine wahrgenommene Bedrohung soll eliminiert werden;

4. Ideologischer Genozid – eine utopische Vorstellung einer Gesellschaft, in welcher die Opfergruppe keinen Platz hat: ein(e) bestimmte(r) Glauben, Theorie oder Ideologie soll umgesetzt werden.[4]

Die Sozialwissenschaftler Frank Chalk und Kurt Jonassohn sehen vor allem die Form des ideologischen Genozids als dominante Form an, welche in Zukunft die größte Rolle spielen wird.

Für die Täter ist ein Genozid die ‚Endlösung‘ für ihr Problem. Nachdem die Täter „rational“ über ihr soziales, ökonomisches oder ideologisches Problem nachgedacht und alle ihre Optionen abgewogen haben, empfinden sie die Tötung tausender Menschen als die einzige und beste Lösung.[5]

Weiterhin sind Völkermorde oft in einen kriegerischen Kontext eingebettet, denn laut Martin Shaw ist Krieg ein guter Deckmantel für einen Genozid, denn jener kreiert und legitimiert Gewalt, Hass und Furcht vor dem Feind. Der Staat hat die Möglichkeit, das Militär und Paramilitär nicht nur gegen die gegnerischen Gruppen einzusetzen, sondern auch gegen schutzlose Zivilisten. Die „feindliche Gruppe“ wird zu einem direkten Ziel, egal ob sie wirklich eine Bedrohung darstellt oder nicht. Jedoch ist zu bemerken, dass nicht jeder Krieg in einem Genozid endet und es auf der anderen Seite auch Genozide gibt, die sich z.B. erst nach einem Krieg entwickelt haben.[6]

Quellen:

Internationaler Strafgerichtshof für Ruanda (1998) Gerichtsurteil vom 04.09.1998 gegen Jean Kambanda. Fallnummer ICTR 97-23-S. Abrufbar unter: http://unictr.org/Portals/0/Case/English/Kambanda/decisions/kambanda.pdf (Stand 03.06.2014)
Jones, A. (2010) Genocide – A comprehensive Introduction. 2nd edition. London and New York: Routledge.
Spencer, P. (2012) Genocide since 1945 – Making of the Contemporary World. London and New York: Routledge.
Vereinte Nationen (1948) „Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“. Abrufbar unter http://www.uni-marburg.de/icwc/dateien/voelkermordkonvention.pdf (Stand: 02.06.2014).

[1] Jones (2010) S. 9
[2] UN (1998) S. 7; Abs. 16
[3] Spencer, P. (2012) S. 6
[4] Spencer, P. (2012) S. 26
[5] Spencer, P. (2012) S. 26-27
[6] Spencer, P. (2012) S. 30

Fotos auf dieser Seite: Thomas Matthias

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