#Ge·no·zid·blogger e.V.
21 Mrz 2017

Text: Pia

#Basis für Massengewalt

Einem Völkermord, als perversen Höhepunkt eines teilweise langen gesellschaftlichen und politischen Prozesses, geht immer die Entmenschlichung und Herabwürdigung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe voraus. Nicht nur in Zeiten des Kolonialismus, auch in den darauffolgenden Jahrzehnten bis hin zur Moderne bildet Rassismus die Basis für Massengewalt und (kulturellen) Völkermord.

Foto: creative commons

Den Begriff Rassismus hat sicherlich jede*r schon einmal gehört, vielleicht wurde dem einen oder der anderen schon mal rassistisches Verhalten vorgeworfen, vielleicht wurden einige von Euch auch schon Opfer rassistischer Gewalt. Doch was genau ist Rassismus eigentlich? Wie kann man ihn erkennen?

#Rassismus
Rassistische Einstellungen und Vorurteile teilen die Menschen in überlegene und unterlegene Gruppen ein. Sie dienen als Rechtfertigung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Mitgliedern der als unterlegen angesehenen Gruppe. Rassismus kann als sozialer Prozess betrachtet werden, in welchem eine „Rasse“ konstruiert wird – konstruiert, da wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen, dass wir Menschen alle derselben „Rasse“ angehören (der „Rasse“ Mensch). Trotzdem werden immer wieder Gruppen von Menschen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben und diese als biologisch, genetisch oder angeboren dargestellt. Die Eigenschaften, an denen die Andersartigkeit festgemacht wird, sind meist äußere Merkmale wie die Hautfarbe, die Sprache, die Herkunft, ethnische oder religiöse Zugehörigkeiten, Verhaltensweisen oder die Sichtbarkeit religiöser Symbole.

Foto: creative commons

Der betroffenen Gruppe wird mit Vorurteilen begegnet undin vielen Fällen erfahren Betroffene Ausgrenzung. Sei es durch Institutionen – z.B. in der Schule oder im Umgang mit Behörden – oder durch ihre Mitmenschen in Form von verbaler und/oder physischer Gewalt. Rassistische Denkmuster legitimieren und verharmlosen verbale und physische Gewalt gegen vermeintliche Mitglieder einer als unterlegen angesehenen „Rasse“. Reißt ein Fahrgast in öffentlichen Verkehrsmitteln einer Mitfahrerin das Kopftuch herunter, erleben wir beispielsweise anti-muslimischen Rassismus. Wenn politische Entscheidungen und Gesetze auf die Ungleichbehandlung der Betroffenen abzielen, kann es zur systematischen und institutionellen Unterdrückung einer Bevölkerungsgruppe kommen. Beim verbotenen „Racial Profiling“ der Polizei wird institutioneller Rassismus sichtbar.

Natürlich führen rassistische Einstellungen und Verhaltensweisen in einer Gesellschaft nicht zwangsläufig zur Eliminierung der als unterlegen angesehenen Bevölkerungsgruppe. Für die Betroffenen ist die Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer vermeintlichen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe jedoch alltäglich und oft unerträglich.

#Rassismus ist allgegenwärtig

Rassismus ist nicht allein ein Phänomen des europäischen Kolonialismus. Es gibt in den allermeisten Gesellschaften dieser Welt soziale Gruppen, die sich als überlegen ansehen. Diese grenzen sich von den „Anderen“ ab und schließen teilweise deren Kultur, Religion und Sprache aus dem öffentlichen Leben aus. Rassismus etabliert sich auch, wenn die soziale Ordnung von den Menschen als instabil wahrgenommen wird. Dann fürchten Einige den Verlust ihrer Vorrechte an Menschen, denen sie nicht die gleichen (Menschen-) Rechte einräumen wie sich selbst. Die Konstruktion eines „Wir“ und eines „die Anderen“ verfestigt existierende Vorurteile und leitet sich dabei meist aus rassistischen Denk- und Argumentationsmustern ab.

Foto: creative commons

Für ein friedliches und respektvolles gesellschaftliches Miteinander und die Verhinderung der Unterdrückung oder Eliminierung gesellschaftlicher Gruppen, muss jede*r Einzelne von uns einstehen. Rassistische Gesetze und Praktiken müssen von der Gemeinschaft und dem Rechtsstaat jederzeit verurteilt und geahndet werden. Es gibt diverse internationale Vereinbarungen und nationale Gesetze, die rassistische Diskriminierung verurteilen und verbieten. Trotzdem ist Rassismus in Deutschland existent und für Betroffene alltäglich spürbar.

#weiterführene Informationen

Sie möchten noch mehr über das Thema Rassismus erfahren? Hier finden Sie das Memorandum Rassismus des Forum Menschenrechte und hier den Parallelbericht „Rassistische Diskriminierung in Deutschland“ an den UN-Antirassismusauschuss zum 19.-22. Bericht der BRD.

 

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