#Ge·no·zid·blogger e.V.
28 Nov 2016

Text: Corinna

#Hundert Tage von Lukas Bärfuss

Ruanda 1994 – 800.000 Menschen sterben innerhalb von nur 100 Tagen. Die Täter mordeten mit den einfachsten Waffen Freunde, Nachbarn und oft auch die eigene Familie. Ist die Entwicklungshilfe Schuld an diesem Massaker?

Hundert Tage

#Inhalt

David ist Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe und möchte in Ruanda die Welt verändern. Doch dann bricht der Völkermord zwischen den Tusti und Hutu aus. Statt wie alle anderen „Weißen“ aus dem Land zu fliehen lässt er das letzte Flugzeug abfliegen und versteckt sich 100 Tage lang in seinem Haus. Der Grund für sein bleiben? Nicht sein Idealismus, sondern die Liebe. David ist in die Hutu Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, verliebt. In seinem Versteck hat er nun genügend Zeit über die letzten vier Jahre als Entwicklungshelfer in Ruanda nachzudenken. Welche Rolle spielt er in diesem Völkermord? Haben die Millionen an Entwicklungsgelder den Genozid möglich gemacht? Ist er ein Komplize der Hutu?

Als er kurz vor dem verdursten ist und die Rwandan Patriotic Front (RPF) Kigali einnimmt, entscheidet sich David über die Grenze zu fliehen. Im Flüchtlingslager angekommen trifft er auf seine Geliebte, doch Agathe ist nicht mehr die, die sie einmal war. Die elegante, gebildete und weltoffene Hutu-Frau hat sich zu einem mörderischen Monster entwickelt und ist nun die Anführerin einer Todesschwadron.

#Fazit

„Hundert Tage“ ist ein lesenswerter Roman, der viele Frage aufwirft. Er macht noch einmal deutlich wie sehr die Internationale Gemeinschaft in dieser Situation versagt hat und auch an dem Massaker eine Mitschuld trägt. Das Buch rechnet mit der (Schweizer) Entwicklungshilfe ab und hält der restlichen Welt den Spiegel der Scheinheiligkeit vor die Nase. Er ist anklagend, empörend und Augen öffnend mit viel gnadenloser Realität. Etwas weniger Sex und Körperpolitikmetaphern hätten aber auch nicht geschadet.

 

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