#Ge·no·zid·blogger e.V.
14 Dez 2015

#Aschenblüte: Ich wurde gerettet, damit ich erzählen kann

von Immaculée Ilibagiza

„Beide Volksstämme wurden durch den Genozid zu Opfern, ebenso wie Ruanda selbst.“1

In „Aschenblüte“ erzählt Immaculée Ilibagiza ihre ganz persönliche Geschichte über den Völkermord in Ruanda. Dabei basiert ihre Erzählung nicht auf politischen oder historischen Ereignissen, sondern ihrer eigenen grausamen Erfahrung.

Aschenblüte

#Inhalt

Immaculée verlebte eine gut behütete Kindheit im wunderschönen Ruanda. Ihre Eltern waren angesehene Leute im Dorf, die sich um alle kümmerten, egal welcher Ethnie sie angehörten.

Immaculée bemerkte daher nicht, dass sie in einem Land voller Diskriminierung und Rassenhass aufwuchs. Als der Völkermord im April 1994 ausbrach, musste sie auf brutale Weise erfahren, dass ihre Freunde und Nachbarn nicht die Menschen waren für die sie sie hielt.

„Wir jagen sie in den Wäldern, auf Seen und Hügeln! Wir finden sie in der Kirche! Wir fegen sie vom Angesicht der Erde!“2

Immaculée schreibt vom brutalen und sinnlosen Tod ihrer Familie und Freunde. Sie berichtet von ihrem Leben im Versteck – mit sechs anderen Frauen verbrachte sie 3 Monate in einem winzigen Badezimmer im Haus des Hutu-Pastors Murinzi. Die Frauen konnten sich kaum bewegen, hatten fast nichts zu essen und durften nicht reden oder die sanitären Anlagen benutzen. Die Frauen trauten sich kaum zu atmen, während Killerbanden jeden Zentimeter des Hauses durchsuchten. Wie durch ein Wunder fanden sie nie den Eingang zu dem Badezimmer. Während dieser endlosen Stunden unaussprechlichen Horrors wandte sich Immaculée an Gott und bat ihn um Hilfe.

Nach 91 Tagen war es den sieben Tutsi-Frauen möglich aus dem Badezimmer in ein Auffanglager der französischen Armee zu fliehen. Doch der Horror war noch nicht überstanden. Im letzten Teil des Buchs erzählt Immaculée von ihrem Leben im Camp, der Flucht zu den RPF-Rebellen und der Zeit nach dem Völkermord.

„Es war grauenhaft: Aberhunderte von Leichen lagen dort, Reihe um Reihe aufeinander gestapelt wie Feuerholz. Myriaden von Fliegen summten auf ihnen, und an denen, die zuoberst lagen pickten die Krähen herum. (…) Dann deutete der Soldat auf eine große Grube jenseits der Leichenstapel, bestimmt an die dreißig Meter lang und sechs Meter tief. Sie war voller Leichen, vielleicht Zehntausende.“3

Die junge Frau musste sich aus eigener Kraft, mit gerade einmal 22 Jahren, ein komplett neues Leben aus dem sprichwörtlichen Nichts aufbauen. Durch göttliche Fügung schaffte es Immaculée einen Job bei der UN zu ergattern, wo sie ihren zukünftigen Ehemann, den Amerikaner Bryan Black, kennen und lieben lernte.

Heute versucht sie unaufhaltsam ihre Botschaft zu verbreiten: Jeder kann Liebe und Vergebung erlernen, egal was einem widerfahren ist. Immaculée will die Menschen dazu anhalten ihre Fesseln aus Hass und Ärger abzulegen.

#Fazit

Es ist inspirierend, wie Immaculée es in der dunkelsten Stunde ihres Lebens geschafft hat, auf die Liebe und Rettung Gottes zu vertrauen. Ruanda entwickelte sich zur Hölle auf Erden, doch sie setzte auf ihren Glauben. Wer sich immer wieder die Frage stellt „Warum lässt Gott das zu?“ findet in dem Buch keine Antwort auf die Frage, aber vielleicht einen kleinen Hoffnungsschimmer.

1 Ilibagiza, I. (2006) S. 248
2 Ilibagiza, I. (2006) S. 110
3 Ilibagiza, I. (2006) S. 233

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