#Ge·no·zid·blogger e.V.
2 Feb 2015

#Das Tagebuch der Anne Frank

Anne Frank

#Überblick:

Anne Frank wurde am 12.06.1929 in Frankfurt/Main geboren und floh 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam. Ab 1942 versteckte sich die Familie, zusammen mit anderen Juden, in einem Hinterhaus in Amsterdam, bis sie im August 1944 verraten wurden. Im März 1945, kurz vor dem Ende des Krieges, welchen Anne sich so sehr herbei gewünscht hatte, starb sie im KZ Bergen-Belsen an Typhus. Die Helfer der Untergetauchten stellten noch am Tag der Festnahme Annes Tagebücher sicher und bewahrten diese auf, um sie Annes Vater, der als einziger den Holocaust überlebte, nach seiner Freilassung zu übergeben. Er erfüllte Annes Wunsch, dass Tagebuch nach dem Krieg zu veröffentlichen, als eine Art Dokumentation des Leidens.

Das Buch gibt uns einen Einblick in das Leben der 8 untergetauchten Juden Anne, Margot, Edith und Otto Frank, Auguste, Hermann und Peter van Pels und Fritz Pfeffer; sowie in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Mädchens, dass auf Grund ihrer Religion zum Tode verurteilt wurde.

Obwohl Anne Deutsche war, verfasste sie das Tagebuch in ihrer Zweitsprache niederländisch und wurde bisher weltweit in über 55 Sprachen übersetzt.

#Inhalt:

Anne bekommt ihr erstes Tagebuch am 12.06.1942 zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt. Sie fängt an, ihrer imaginären Freundin „Kitty“, ihr Leben zu schildern und nimmt uns mit auf eine Reise durch ihren „Alltag“. So erfahren wir, unter anderem, wie es den Juden in den Niederlanden (bzw. in allen von Deutschland besetzten Ländern) erging:

„Judengesetz folgte auf Judengesetz, und unsere Freiheit wurde sehr beschränkt. Juden müssen einen Judenstern tragen; Juden müssen ihre Fahrräder abgeben; Juden dürfen nicht mit der Straßenbahn fahren; Juden dürfen nicht mit dem Auto fahren, auch nicht mit einem privaten; Juden dürfen nur von 3-5 Uhr einkaufen; Juden dürfen nur zu einem jüdischen Frisör; Juden dürfen zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht auf die Straße; Juden dürfen sich nicht in Theatern, Kinos und an anderen dem Vergnügen dienenden Plätzen aufhalten; Juden dürfen nicht ins Schwimmbad, ebenso wenig auf Tennis-, Hockey- oder andere Sportplätze; Juden dürfen nicht rudern; Juden dürfen in der Öffentlichkeit keinerlei Sport treiben; Juden dürfen nach acht Uhr abends weder in ihrem eigenen Garten noch bei Bekannten sitzen; Juden dürfen nicht zu Christen ins Haus kommen; Juden müssen auf jüdische Schulen gehen und dergleichen mehr.“ 1

Anne Frank 2Foto: Heather Cowper/www.flickr.com/Creative Commons

Im Juli 1942 zieht Familie Frank in ihr Versteck ein, in welchem sie bis zum 04.08.1944 lebten – 2 Jahre ohne rausgehen und die Sonne, den Wind oder den Regen auf der Haut spüren zu können. 2 Jahre in denen man in ständiger Angst lebt vor dem Krieg, Einbrechern und Nazis. Alles richtet sich nach einem strikten Zeitplan – essen, waschen, Gymnastik, lernen, zur Toilette gehen. Ja, sogar wann man sich bewegen durfte, denn tagsüber war das so gut wie unmöglich. Man hätte sich bei jedem Laut verraten können – ein knirschendes Brett, eine Toilettenspülung, Licht oder ein offenes Fenster zur falschen Zeit hätte den Tod bedeuten können. Das tägliche warten auf die Invasion, die scheinbar niemals kommen würde, und somit die Befreiung aus ihrem Gefängnis, zermürbten die Hinterhausbewohner.

In Annes Fall kommt auch noch die schwierige Übergangsphase der Pubertät hinzu. Als wären die ganzen Veränderungen des Körpers, der Persönlichkeit und die Entdeckung der ersten Liebe nicht unter normalen Umständen schon stressig genug, dann muss man sich vorstellen, wie es ist, die ganze Zeit mit den Eltern und anderen fremden Personen auf einen relativ kleinen Raum zusammenleben zu müssen. Kein Platz für Rebellion, sich zurückziehen zu können, wegzugehen, sich mit Freunden treffen und auszutauschen. Einfach das noch „unbeschwerte“ Teenagerleben zu genießen. Kein Kino, Partys, baden am See, stattdessen Angst, Krieg, Verzweiflung und Tod.

Über die Zeit merkt man, wie sich Anne entwickelt, erwachsen wird, ihre Gefühle und Umwelt immer wieder kritisch reflektiert, dabei aber nie ihre fröhliche Art verliert. Man versetzt sich in sie hinein, leidet und freut sich mit ihr und sitzt genauso erschrocken und mit angespannten Nerven da, wenn sie von Bombenangriffen und Einbrechern im Haus erzählt. Man fiebert mit ihr mit und möchte ihr zurufen: „Halte durch, alles wird gut! Nur noch ein paar Monate bis zur Kapitulation Deutschlands! Du schaffst das!“ Sie erzählt von ihren Träumen, Wünschen und Zielen, in den Metropolen Europas zu wohnen, eine große Schriftstellerin und liebende Mutter zu werden, welche sie selbst so schmerzlich vermisst. Es zerreißt einem fast das Herz, weil man weiß, dass ihre Wünsche niemals in Erfüllung gehen werden. Das Tagebuch endet abrupt am 01.08.1944 und die Realität holt einen ein. Die Juden wurden verraten und in verschiedenen Konzentrationslager nach Deutschland und Polen verschleppt. Man wünscht ihr, dass sie die wenigen Monate bis zum Kriegsende irgendwie übersteht, aber Anne und ihre Schwester Margot sterben im März 1945, nur knapp zwei Monate vor der Kapitulation Deutschlands.

#Fazit:

Unbedingt lesen! Selbst wenn euch das Buch schon in der Schule „aufgezwungen“ wurde. Das Buch gibt nicht nur Eindrücke in Annes Leben, sondern auch, wie die Träume und das Leben Millionen von Menschen zerstört wurden. MENSCHEN, so wie Du und Ich, voller Träume, Wünsche und Pläne, wurden einfach umgebracht, nur weil sie Juden waren oder weil ihr Leben als „lebensunwert“ angesehen wurde. Lest es noch einmal in aller Ruhe, versetzt euch in die Situation der Juden hinein und nehmt etwas für euer eigenes Leben mit, damit wir diesen Fehler NIE WIEDER begehen.

1 Frank, A. (2013) S.21

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