#Ge·no·zid·blogger e.V.
17 Jul 2016

Text: Corinna

# Die Nacht von Elie Wiesel

Elie Wiesel – Holocaustüberlebender, Schriftsteller, Menschenrechtsaktivist und Friedensnobelpreisträger (1986) starb am 02. Juli 2016 im Alter von 87 Jahren in den USA. An seinem rechten Unterarm trug er die in blau eintätowierte Nummer A-7713.

Sein Buch „Die Nacht“ zählt zu den einflussreichsten Werken der Holocaustliteratur und war eines der ersten seiner Art.

Elie Wiesel#Elie Wiesel – Leben

Elie Wiesel wurde 1928 in Sighet, damals Ungarn (heute Rumänien) in ein orthodox-chassidisches Elternhaus geboren. Als das Deutsche Reich im April 1944 langsam im sterben lag, wollte Hitler noch die letzten europäischen Juden mit in den Tod reißen – ihre Vernichtung hatte äußerste Priorität.

So wurde auch der damals 15-jährige Elie Wiesel mit seiner Familie in Zuge der Deportation der ungarischen Juden nach Auschwitz verschleppt. Dort wurden an der berühmt-berüchtigten Rampe seine Mutter und Schwester von Dr. Joseph Mengele direkt ins Gas geschickt. Elie und sein Vater mussten Zwangsarbeit in den Buna-Werken der I.G. Farben im Lager Auschwitz III leisten. Als die Rote Armee immer näher rückte wurden er und sein Vater auf einen Todesmarsch ins Konzentrationslager Buchenwald geschickt. Dort angekommen verstarb sein Vater an den Qualen und Elie erlebte die Befreiung nur knapp.

„Aus dem Spiegel blickte mich ein Leichnam an. Sein Blick verlässt mich nicht mehr.“

#das Buch

Knapp zehn Jahre nach seiner Befreiung verfasste Wiesel seine Erinnerungen auf jiddisch und veröffentlichte sie unter dem Titel „Und die Welt hat geschwiegen“ (ca. 900 Seiten). Anschliessend überarbeitete und kürzte er seine Niederschrift und veröffentlichte sie 1958 in französisch unter dem Namen „La Nuit“. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurde das Buch in Millionenauflage gedruckt und in über 30 Sprachen übersetzt.

„Die Nacht“ ist ein autobiographisches Werk über Elie Wiesels Deportation und Überlebenskampf während des Holocaust. Durch kurze Erzählabschnitte schafft es Wiesel eindrückliche Szenen zu erschaffen und konzentriert sich auf erlebte Bildung und Handlungen. Dabei verweilt der Autor jedoch nicht bei den erlebten Grausamkeiten, sondern bringt vielmehr seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck.

Das Buch bietet keinen Abschluss und erzählt auch nicht von einem Leben nach der Befreiung. Es ist der Bericht eines Überlebenden, der seine schrecklichen Erinnerungen in einen Appell an die Menschlichkeit verwandelt. Er selbst setzt sich unablässig mit der Frage nach Gott auseinander und lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück und erzeugt so ein starkes literarisches Bild.

„Nie werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager, die aus meinem Leben eine siebenmal verriegelte Nacht gemacht hat.

Nie werde ich diesen Rauch vergessen. Nie werde ich die kleinen Gesichter der Kinder vergessen, deren Körper vor meinen Augen als Spiralen zum blauen Himmel aufstiegen.

Nie werde ich die Flammen vergessen, die meinen Glauben für immer verzehrten.

Nie werde ich das nächtliche Schweigen vergessen, das mich in alle Ewigkeit um die Lust am Leben gebracht hat.

Nie werde ich die Augenblicke vergessen, die meinen Gott und meine Seele mordeten, und meine Träume, die das Antlitz der Wüste annahmen. Nie werde ich das vergessen, und wenn ich dazu verurteilt wäre, so lange wie Gott zu leben. Nie.“ S. 56

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