#Ge·no·zid·blogger e.V.
25 Mai 2015

#Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda von Lt. Gen. Roméo Dallaire

„Ich weiß, dass es einen Gott gibt, […], weil ich in Ruanda dem Teufel die Hand geschüttelt habe. Ich habe ihn gesehen, gerochen und berührt. Ich weiß, dass es den Teufel gibt, und deshalb weiß ich, dass es einen Gott gibt.“ – R. Dallaire

Handschlag mit dem Teufel Romeo Dallaire

Handschlag mit dem Teufel – ein schonungslos ehrliches und aufschlussreiches Buch über den Völkermord in Ruanda 1994, welcher einer der tödlichsten mit bis zu 800.000 Toten innerhalb von nur 100 Tagen war. Die Täter mordeten mit den einfachsten Waffen Freunde, Nachbarn und oft auch die eigene Familie.

Lt. Gen. Roméo Dallaire, damaliger UNAMIR-Kommandeur, berichtet wie sich die UN und die Weltgemeinschaft dem Genozid in Ruanda mitschuldig gemacht haben. Seinen Erzählungen zufolge hätte der Völkermord an den Tutsi durch ein paar mehr Blauhelmsoldaten und einem robustem Mandat leicht verhindert werden können. Doch kein westliches Land war wirklich an der Mission interessiert und wollte weder Geld, Waffen noch Personal investieren. Ruanda war kein strategisch wichtiges Land, schon immer auf finanzielle Hilfen angewiesen, um nicht bankrott zugehen, und hatte nur wenige natürlichen Ressourcen. Somit hatte UNAMIR (United Nations Assistance Mission for Rwanda), eingesetzt um das Arusha Friedensabkommen zu sichern, von Anfang an mit großen finanziellen und administrativen Problemen zu kämpfen; die Mission war gerade einmal 2.500 Mann klein, nur leicht bewaffnet und schlecht ausgestattet.

Als sich erneute Gewaltausbrüche ankündigten, fragte Dallaire immer wieder neue Truppen, Material und eine Erweiterung des Mandates an, denn sie waren nicht dazu bemächtigt einen erneuten Krieg mit Waffengewalt zu verhindern oder gewaltsam Zivilisten zu verteidigen. Die UN erhielt täglich Informationen aus erster Hand über die grausame Situation in Ruanda, entschied sich jedoch nicht zu handeln bzw. verbot UNAMIR ausdrücklich einzugreifen. Die Weltgemeinschaft zog sogar noch einen Großteil des UNAMIR-Kontingents ab und setzte somit ein klares Zeichen, dass sich niemand für Ruanda interessieren und den Völkermord stoppen würde.

Romeo DallaireFoto: Andrew Rusk/www.flickr.com/Creative Commons

„Dennoch ist die ruandische Tragödie vor allem eine Geschichte vom Scheitern der Menschlichkeit: Die Menschheit stellte sich taub und wollte den Hilferuf eines bedrohten Volkes nicht hören. Der Internationalen Gemeinschaft, die von der UNO ja nur symbolisch verkörpert wird, gelang es nicht, um Ruandas willen ihre Eigeninteressen zurückzustellen.“ – R. Dallaire

Das Buch gibt einen eins-zu-eins Einblick in den Beginn, das Ende und das ganze blutige Mittendrin des Völkermords. Wenn man wirklich wissen möchte was 1994 in dem kleinen afrikanischen Land vor sich ging und wie selbstsüchtig sich die Internationale Gemeinschaft verhalten hat, sollte man das Buch unbedingt lesen. Dallaire kehrte nach der Mission als gebrochener Mann, desillusioniert und selbstmordgefährdet in seine Heimat zurück, aber dennoch fest entschlossen die ganze hässliche Geschichte zu erzählen. Das ist ihm mit diesem mitreißendem Buch eindrucksvoll gelungen.

„Dieses Buch muss man lesen: Um zu verstehen, was Völkermord bedeutet, um über das Versagen von „Humanität“ nachzudenken und sich vom Mut der Wenigen anstecken zu lassen, die den Morden und der internationalen Gleichgültigkeit entgegengetreten sind.“ – The Gazette (Montreal)

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