#Ge·no·zid·blogger e.V.
14 Sep 2015

#The Key to my Neighbour’s House – Seeking Justice in Bosnia and Rwanda (2002) von Elizabeth Neuffer

„Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ich weiß auch nicht weiter. Ich hatte den Haustürschlüssel von meinem Nachbarn, welcher Serbe war, und er hatte meinen. Wir haben aufeinander aufgepasst…“ – Hamado Kahrimanovic, Zeuge vor dem ICTY

Neuffer

Das Buch „The Key to my Neighbour’s House“ wurde 2002 von der preisgekrönten Kriegsreporterin Elizabeth Neuffer geschrieben und handelt von den Völkermorden in Bosnien und Ruanda.

Das Buch ist neben dem Prolog und Epilog in drei „Bücher“ mit verschiedenen Unterkapiteln aufgeteilt. Das erste Buch widmet sich den Zeugen und Überlebenden, das zweite den verschiedenen Gerichtsprozessen und Tribunalen und das dritte dem Leben nach dem Urteil.

Die Autorin gibt in dem Buch einen tiefen und detaillierten Einblick in die zwei Konflikte und bezieht sich dabei nicht nur auf die politische, sondern auch menschliche Ebene. Sie erzählt von persönlichen Geschichten und führte dazu unzählige Interviews mit den Opfern, Tätern, internationalem Personal, NATO-Kommandeuren, Milizen, Politikern, Kriegsverbrechern usw. Dabei schreibt sie sehr differenziert, persönlich und spannend; man kann sich genau in die Situationen hineinversetzen und verliert nie die Lust am lesen.

Weiterhin zeigt Neuffer auf, wie schwer es ist in einem post-genozidalem Staat Gerechtigkeit zu erlangen. Viele Überlebende kämpfen mit ihrem Leben und Platz in der neuen und doch zugleich alten Gesellschaft. Die Internationalen Gerichte erreichen meist gar nicht erst die Opfer, sonder sind eher zur Beruhigung des schlechten Gewissens der Internationalen Gemeinschaft, denn viele Menschen verstehen nicht, was die Internationalen Straftribunale sind, was sie machen und welchen Bezug es zu ihnen hat.

„Gerechtigkeit ist nicht nur ein Endprodukt. Es ist auch ein Prozess.“ – Albie Sachs, ehemaliger Richter am Verfassungsgericht der Republik Südafrika

Im Großen und Ganzen kommt Neuffer zu dem Schluss, dass es für einen post-genozidalen Staat keine wirkliche Gerechtigkeit gibt, denn Verbrechen gegen die Menschlichkeit kann man nicht wieder gut machen.

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