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25 Apr 2016

#Mao Zedong

Zwischen 1949 und 1976 regierte Mao Zedong die Volksrepublik China durch Terror und totalitäre Gewalt. Er wollte China an die Spitze des weltweiten Kommunismus führen. Unter seiner Herrschaft starben bis zu 45 Millionen Menschen, unzählige wurden traumatisiert. Dennoch gilt Mao noch heute als eine Art Heiliger, die kritische Hinterfragung seiner Terrorherrschaft ist strikt verboten.

Mao ZedongFoto: Chris Price/www.flickr.com/Creative Commons

#Kommunistische Partei Chinas (KPCh)

Die KPCh wurde 1921 als Reaktion auf die jahrhundertelange Tyrannenherrschaft diverser Dynastien, Feudalismus, Kolonialismus und Bürgerkrieg gegründet. Vorbilder der Partei waren die bekannten Kommunisten und Sozialisten der Zeit: Marx, Engels, Lenin und später auch Stalin. Die Partei erkannte schnell, dass das Herz der chinesischen Revolution im Bauerntum lag und mobilisierte langsam, aber stetig die Bewohner auf dem Land.1

Der damals herrschenden Nationalen Volkspartei Chinas (Guomindang) unter Chiang Kai-shek war der aufstrebende Kommunismus ein Dorn im Auge. Sie machten regelrecht Jagd auf die Kommunisten und brachten sie um, um jegliche kommunistischen Bewegungen auszulöschen. Nach einem besonders schlimmen Massaker 1925 verkündete der damalige Führer der KPCh, Peng Pai: „Wir wurden für die gnadenlose Auslöschung unserer Feinde geschaffen: wir dürsten nach dem letzten Tropfen Blut unserer Feinde als eine Wiedergutmachung für unsere gemarterten Kameraden. Von nun an müssen wir unsere Feinde bis auf den letzten vernichten.“.2

Infolgedessen brach zwischen den Anhängern der zwei Parteien ein blutiger Krieg aus, welcher den Grundstein für Maos Terrorherrschaft legte. Die Guomindang-Partei ging mit eiserner Faust gegen die Kommunisten vor, und die KPCh erklärte im Gegenzug alle Offiziere und Beamte des Guomindang-Regimes genauso zu Feinden wie Kapitalisten, Priester, Landbesitzer und die Bourgeoisie.3

In dieser Zeit schaffte es Mao, sich als Anführer zu etablieren und an der Spitze der KPCh in Position zu bringen. Schlussendlich vermochte es die Rote Armee der KPCh, die Einheiten des Guomindang-Regimes zu überwältigen und die Vorsitzenden der Partei ins Exil nach Taiwan zu verdrängen.4

Massenmord ChinaFoto: Alberto Carrasco-Casado/www.flickr.com/Creative Commons

#Terrorherrschaft Maos‘

Am 01.10.1949 rief Mao Zedong als Vorsitzender des Zentralkomitees der KPCh auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China aus. Das Land lag jedoch wirtschaftlich am Boden und zählte zu den ärmsten Ländern der Erde. 70 Prozent der Bevölkerung gehörte zu den Wanderarbeitern, Tagelöhnern und besitzlosen Bauern. Die KPCh führte deswegen eine radikale Bodenreform ein und enteignete systematisch kleine und große Landbesitzer und verstaatlichte industrielle Großbetriebe, die zumeist im Besitz ausländischer Investoren waren. Arme Bauern wurden dazu aufgerufen, sich gewaltsam Land anzueignen und gleichzeitig Rache und Vergeltung an Großgrundbesitzern zu üben. Hunderttausende von Landbesitzern und Kapitalisten wurden vollkommen willkürlich öffentlich denunziert, beschimpft, geschlagen und getötet. Die Täter mussten keine Strafe erwarten, folglich wurden viele persönliche Konflikte unter dem Deckmantel des Klassenfeindes ausgetragen. Jeder, der Widerstand leistete, wurde ins Arbeitslager verbannt oder gleich ermordet. Experten gehen davon aus, dass etwa zehn Millionen Menschen inhaftiert wurden und bis zu vier Millionen den Tod fanden.5

Mao griff im Zuge dieser Bodenreform radikal in das Leben der ländlichen Bevölkerung ein und zerstörte jahrhundertealte Gesellschafts-, Arbeits- und Familienstrukturen. Die Bauern verloren nicht nur ihr Land, sondern jegliches Recht auf Selbstbestimmung und Selbstorganisation. Der erste Fünfjahresplan wurde nach sowjetischem Vorbild erstellt und sollte aus China ein Land der Schwerindustrie auf Kosten der Landwirtschaft machen. Ignoriert wurde jedoch, dass die chinesische Bevölkerung rapide anwuchs und daher die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion viel notwendiger war. Für Mao stand jedoch nur die Revolutionierung im Vordergrund und nicht die Realpolitik.6

Massenmord ChinaFoto: Yiannis Theologos Michellis/www.flickr.com/Creative Commons

#Hundert-Blumen-Kampagne

Durch die Kampagne „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ wollte Mao 1956 Chinas Intellektuelle für die Kommunistische Partei gewinnen und lud das Volk zur konstruktiven Kritik am Regime ein. Zuerst wurde nur sehr verhalten Kritik geäußert, doch schon bald kippte die Stimmung im Land, und die Bevölkerung begann zu rebellieren. Die Menschen protestierten gegen die Repressalien der Ein-Parteien-Diktatur und forderten neben Reformen Presse-, Rede- und politische Freiheit. Die KPCh schlug daraufhin zurück und verfolgte systematisch alle Systemkritiker, um sie psychisch zu brechen und zum Schweigen zu bringen. Mao ließ pauschal zehn Prozent der chinesischen Intelligenzia verhaften. Unzählige Menschen wurden in Arbeitslager deportiert, verhaftet, geschlagen, gefoltert oder hingerichtet.7

#Der Große Sprung nach vorn

Ab 1958 propagierte Mao den „Großen Sprung nach vorn“, was in einem ökonomischen und menschlichen Desaster endete. Ziel dieser Kampagne war es, die kollektive Landwirtschaft und Industrialisierung voranzutreiben und aus China eine wirtschaftliche Großmacht zu formen. Allen realpolitischen Voraussetzungen zum Trotz nahm Mao einfach an, dass es einen enormen Anstieg bei der Ernte geben wird und hielt die Bauern gleichzeitig dazu an, Stahl zu produzieren. Der Anstieg der Ernte blieb hingegen aus, unter anderem auch, weil die Bauern nicht mehr ihre Felder bewirtschafteten, sondern nach der Vorgabe Maos in selbstgebauten Hochöfen minderwertigen Stahl produzierten. Infolgedessen kam es zu Missernten und einer zerstörten Landwirtschaft. China erlitt eine Hungerkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, bei welcher in nur drei Jahren etwa 40 Millionen Menschen verhungerten.8

Massenmord ChinaFoto: Yiannis Theologos Michellis/www.flickr.com/Creative Commons

#Große Proletarische Kulturrevolution

Auf Grund dieser Katastrophe wurde Mao im Zentralkomitee der KPCh zur Randfigur degradiert, doch er sann auf Rache. Durch eine großangelegte Aktion wollte er Gesellschaft und Partei von ränkeschmiedenden Klassenfeinden und Konterrevolutionären säubern. Als Oberbefehlshaber der Roten Armee und Vorbild einer indoktrinierten Jugend rief er 1966 die „Große Proletarische Kulturrevolution“ aus. Tausende junge Chinesen und Chinesinnen gingen brutal gegen alle konservativen, reaktionären und konterrevolutionären Elemente im Staat vor. Es kam zu einem erneuten Bürgerkrieg. Die fanatischen Jugendlichen organisierten sich in sogenannten „Roten Garden“ und kämpften völlig willkürlich gegen alle öffentlichen und privaten Institutionen und Autoritäten. Sie denunzierten und quälten ihre eigenen Eltern, Lehrer, Wissenschaftler, Dozenten, usw. Das Militär und die Polizei griff auf Maos Befehl hin nicht ein. Das ganze Land versank unter den Gewaltexzessen im Chaos.9

„[…] Schläge und Folter folgten. Ich hatte solche Folter noch nie zuvor gesehen: Sie mussten menschliche Exkremente und Insekten essen, wurden mit Elektroschocks gequält und dazu gezwungen, in zerbrochenem Glas zu knien, sie wurden an den Armen und Beinen wie „Flugzeuge“ aufgehängt…“ – Lee Ta-Ling, ehemaliges Mitglied der Roten Garde10

Es konnte jeden treffen, daher begingen Zehntausende Selbstmord. Allein zwischen Januar 1968 und Mai 1969 gab es in Beijing 3.731 Tote – 94 Prozent davon waren Suizide.11 Als Mao sein Ziel – die Vernichtung jeglicher Opposition – erreicht hatte, schickte er das Militär los, um die Rotgardisten zu zerschlagen und die Jugendlichen aufs Land zur Umerziehung zu schicken.12 Der Terror fand erst mit dem Tod Maos 1976 ein Ende.

Quellen:

Jones, A. (2010) Genocide – A comprehensive Introduction. 2nd Edition. London and New York: Routledge.

Delvaux de Feneffe, G. (2008) ‚Mythos Mao‘ erschienen bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Abrufbar unter http://www.bpb.de/internationales/asien/china/44259/mythos-mao?p=all (07.04.16)

1 Jones (2010) S. 204 – 205

2 Jones (2010) S. 205

3 Jones (2010) S. 204

4 Delvaux de Fenffe, G. (2008)

5 Jones (2010) S. 206 – 207

6 Delvaux de Fenffe, G. (2008)

7 Delvaux de Fenffe, G. (2008)

8 Delvaux de Fenffe, G. (2008

9 Delvaux de Fenffe, G. (2008

10 Jones (2010) S. 212 – 21

11 Jones (2010) S. 212 – 213

12 Delvaux de Fenffe, G. (2008)

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