#Ge·no·zid·blogger e.V.
12 Sep 2016

Text: Corinna

# Shoah von Claude Lanzmann (1958)

Der Film Shoah von Claude Lanzmann ist mit neun Stunden Laufzeit der Inbegriff eines Holocaust-Epos. Die Dokumentation liefert durch verschiedene Zeitzeugengespräche ein umfassendes und detailliertes Bild über den Völkermord an den Juden. Lanzmann arbeitete elf Jahre lang an dem Film; sein Ziel war es nicht Informationen zu liefern, sondern die Geschichte der Vernichtung als Ganzes sichtbar zu machen.

Shoah

„Shoah beruht vollständig auf dem Fehlen von Spuren. Die Nazis wollten nicht nur die Juden vernichten, sie wollten auch noch die Vernichtung selbst vernichten, das heißt die Spuren des Verbrechens, und zwar just in dem Augenblick, als sie es vollendeten. Das ist der irrsinnigste Versuch, Geschichte auszulöschen. Darüber spricht Shoah“. – Claude Lanzmann

Die Filmaufnahmen in Shoah bestehen nur aus den Interviews, inszenierten Aufnahmen und Landschaftsaufnahmen ehemaliger Vernichtungsstätten. Kein Archivmaterial, kein Kommentar, keine Leichen. Der Film gilt international als Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust.

Für den Film führte Lanzmann ausführliche Interviews mit den Zeitzeugen des Holocaust – Überlebende und Täter zugleich. Was erst einmal eher unspektakulär und bei einer Laufzeit von neun stunden eher ermüdend erscheint, ist nicht im Geringsten Langweilig, denn Beeindruckend ist nicht so sehr das, was gesagt wird, sondern viel mehr das wie.

Die Gesichter der Überlebenden, ihr Schweigen, ihr Stottern, ihre Pausen, ihr hilfloses Lächeln oder ihr plötzliches Sprechen geben diesem unfassbaren Schrecken eine Gestalt und lassen den Zuschauer emotional an dem Trauma der Opfer teilhaben. Der Film wurde mit 13 Preisen geehrte, u.a. mit dem British Academy Film Awards, dem Boston Society of Film Critics Awards, auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin und dem Adolf-Grimme-Preis.

 

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