#Ge·no·zid·blogger e.V.
30 Nov 2015

Text: Corinna

#Europäische Juden (1933 – 1941) & syrische Flüchtlinge (2015)

Zurzeit sind weltweit über 68,5 Mio. Menschen auf der Flucht. Aus Angst vor Krieg und Terror legen sie ihr Leben in die Hände von Schmugglern und Schleusern. Sie ertrinken im Mittelmeer, ersticken auf den Ladeflächen von Lastwagen oder treffen auf Zäune, Mauern und Soldaten. Sollten sie es dann doch irgendwie in ein sicheres Land geschafft haben, begegnet ihnen nicht selten Hass und Rassismus.

Und genau diese Xenophobie von heute ist ein Echo der Jahre 1933 – 1941, als zehntausende europäische Juden auf der Flucht waren und niemand sie haben wollte.

FlüchtlingeFoto: Freedom House/www.flickr.com/Creative Commons

#Flucht vor den Nazis

Allein zwischen 1933 und 1938 waren über 150.000 deutsche Juden auf der Flucht. Das Nazi-Regime gestaltete das Leben für die Juden so schwer, dass sie gezwungen waren, aus Deutschland zu fliehen. Mit der Annexion Österreichs und der Tschechoslowakei sowie den Novemberpogromen von 1938 stieg die Zahl der Flüchtlinge noch einmal rapide an. Doch die meisten Flüchtlinge fanden keine Staaten, die gewillt waren, sie aufzunehmen. Gründe waren unter anderem die Angst vor sozialen Problemen, Konkurrenz um Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Instabilität.

Aachen, FlüchtlingeFoto: Bundesarchiv/Creative Commons

#Evian-Konferenz

Um eine Langzeitlösung der Flüchtlingskrise zu finden, wurde vom 06. bis zum 15.07.1938 die Evian-Konferenz in Évian-les-Bains, Frankreich, abgehalten. 32 Staaten, darunter die USA, Großbritannien und Australien, schickten Vertreter und Diplomaten, um über das Problem zu diskutieren. Die Konferenz gilt als beschämender Höhepunkt der Appeasement-Politik gegenüber Deutschland: viele Länder sprachen zwar ihre Sympathie gegenüber den Flüchtlingen aus, brachten aber dennoch genügend Entschuldigungen und Ausreden hervor, um diese nicht aufnehmen zu müssen.

„Da wir kein wirkliches Rassenproblem haben, verspüren wir auch keine Neigung, durch eine ausländische Masseneinwanderung eines zu importieren.“ – australischer Delegierter

Syrian RefugeesFoto: Freedom House/www.flickr.com/Creative Commons

Im Endeffekt fuhren alle Staatsvertreter unverrichteter Dinge wieder nach Hause, erließen Einreiseverbote und verschlossen ihre Grenzen. Schweden war sogar so dreist und bat Deutschland, die jüdischen Pässe mit einem großen, roten „J“ zu markieren, um das Ausleseverfahren zu erleichtern. Nur die kleine Dominikanische Republik war dazu bereit, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Deutschlands süffisante Antwort darauf ließ nicht lange auf sich warten. Die Nazis fanden es höchst erstaunlich, dass Deutschland für den Umgang mit seinen Juden von allen Seiten kritisiert wird, jedoch niemand die Juden haben wolle, wenn sich die Möglichkeit biete. Die Konferenz war eine Art Freibrief an Hitler.

syrische FlüchtlingeFoto: Freedom House/www.flickr.com/Creative Commons

#Fazit

Man sollte denken, Europa hätte aus seinen Fehlern und dem Horror des zweiten Weltkriegs gelernt, doch mit dem nahenden Tod jeglicher Zeitzeugen scheint es, als würden auch wir die Lektionen des Krieges und des Hasses langsam vergessen. Wir können nicht in die Zukunft sehen, umso mehr sollten wir die Vergangenheit als unseren Lehrer betrachten.

KZ BuchenwaldFoto: Bundesarchiv, Bild 183-35011-0004 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons

 

Quellen:

Süddeutsche Zeitung (2010) „Die Ahnungslosen von Evian“. Abrufbar unter: http://www.sueddeutsche.de/politik/holocaust-die-ahnungslosen-von-evian-1.191882 (Stand 19.11.15)

Der Tagespiegel (2015) „Konferenz von Evian 1938: Flüchtlinge aus Deutschland“. Abrufbar unter: http://www.tagesspiegel.de/kultur/konferenz-von-evian-1938-fluechtlinge-aus-deutschland/12215056.html (Stand 19.11.15)

United States Holocaust Memorial Museum (2015) „The Holocaust: A learning site for students: The Evian Conference“. Abrufbar unter: http://www.ushmm.org/outreach/en/article.php?ModuleId=10007698 (Stand 19.11.15)

 

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