#Ge·no·zid·blogger e.V.
22 Feb 2016

# „Der Tiger in meinem Herzen“ von Patricia McCormick

Das Jugendbuch „Der Tiger in meinem Herzen“ erzählt die fiktionalisierte Geschichte des bekannten Menschenrechtlers Arn Chorn-Pond. Das Buch ist schonungslos, brutal und zeigt auf, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind.

Tiger in meinem Herzen
Im Buch erzählt Arn von seiner verlorenen Kindheit in Kambodscha zu Zeiten der Roten Khmer. Diese führten gewaltsam das Jahr null ein und versuchten ein agrarisches Utopia mit einer klassenlosen Gesellschaft zu errichten. Fremdsprachen, Geld und Religionen wurden verboten; Zeitungen, Fernsehstationen, Geschäfte, Kirchen, Moscheen und Schulen geschlossen. Der Kapitalismus, die westliche Kultur und deren Einflüsse sollten komplett eliminiert und somit die Gesellschaft gereinigt werden. Die komplette Vergangenheit und die Traditionen Kambodschas sollten zerstört werden. Zirka 1,9 Mio. Menschen starben an Hunger, Überarbeitung, Krankheiten, Folter oder Mord.

Arn kommt in ein Kinderlager und versucht sich dort unsichtbar zu machen. Durch seine Augen erlebt der Leser den Horror des Völkermords – Menschen die Verhungern oder Verschwinden, die Berge von Leichen. Als relativ begabter Musiker schafft es Arn in eine Art Sondereinheit. Die Kinder spielen auf Empfängen der Roten Khmer oder um das tägliche Gemetzel zu übertönen.

Als die Vietnamesen einmarschieren, um dem Horror ein Ende zu bereiten, wird Arn als Kindersoldat eingesetzt. So wird er gleichzeitig Opfer und Täter.

„Jedes Kind bekommt ein Gewehr. […] Ein kleiner Junge schaut in den Lauf und peng! schießt sich in den Kopf.“

Als ihm bewusst wird, dass er nur als Kanonenfutter dient, flieht er und landet schlussendlich in einem thailändischen Auffanglager, wo er von einem Amerikaner adoptiert wird. Doch die Schuld und Jahre des Terrors quälen ihn. Arn wurde seiner Kindheit beraubt und musste schreckliche Dinge durchleben – und genau diese Brutalität spiegelt sich in diesem Buch wieder. „Der Tiger in meinem Herzen“ wird einen, noch lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat, beschäftigen.

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