#Ge·no·zid·blogger e.V.
2 Nov 2018

Text: Corinna

#Uiguren in China: kultureller Völkermord?

#Uiguren

In der autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas leben zirka neuen Millionen Uiguren. Die Uiguren gehören zu den Turkvölkern und bilden eine muslimische Minderheit in China. Sie kämpfen seit Jahrhunderten um ihre kulturelle und soziale Identität. Es kommt in Xinjiang, von den Uiguren auch Ostturkestan genannt, und dem chinesischen Festland immer wieder zu Spannungen, (islamistischen) Anschlägen, (friedlichen) Aufständen und separatistischen Bewegungen.

Foto: David Stanley/www.flickr.com/Creative Commons

#Kultureller Völkermord

China wird von der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen, einen kulturellen Völkermord an den Uiguren zu begehen. Bei einem kulturellen Völkermord werden die Opfer langsam und scheinbar unmerklich ausgelöscht, indem z.B. ihre Lebensgrundlage zerstört wird, die Ausübung ihrer Kultur, Sprache und Religion verboten wird und indem sie der Möglichkeit beraubt werden, sich selbst zu ernähren und zu verwalten. Die kulturelle Zerstörung verfolgt die Eliminierung aller Institutionen und Merkmale einer Gruppe. Erreicht wird dieses Ziel oftmals durch das Verbot traditioneller Praktiken sowie Kunst, Literatur und Musik, die Eliminierung der Sprache, Zerstörung religiöser Institutionen und Angriffe auf die intellektuelle Elite der Betroffenengruppe. Nationale Kulturgüter, Bibliotheken, Archive, Museen, Galerien, etc. werden geschlossen, konfisziert oder zerstört.

#Politik der Unterdrückung

Gegenüber den Uiguren verfolgt China eine aggressive Anti-Terror-Politik als Präventionsmaßnahme gegen Terrorismus, religiösen Extremismus und Separatismus. Auf die uighurischen Unabhängigkeitsbewegungen antwortet die chinesische Regierung mit massiven Repressalien. So wurden seit 2016 die Überwachungsmaßnahmen gravierend verschärft. Ein enormer Überwachungs- und Polizeiapparat wurde in der Region erschaffen: Autos werden per GPS überwacht, es gibt Straßensperren, Mobiltelefone und der Messengerdienst „Wechat“ werden routinemäßig überprüft, es gibt Kameras an jeder Ecke und die DNA-Daten sowie biometrischen Daten der Uiguren, wie z.B. Blutgruppe, Fingerabdrücke, Iris-Scan und Gesichtsfotos, werden in einer riesigen Datenbank gespeichert.

Der Besitz des Korans ist verboten, muslimische Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht in die Moschee und der Besitz eines Gebetsteppichs wird als Anzeichen religiösen Extremismus gewertet. Die Nutzung muslimischer Symbole ist den Uiguren verboten. 2009 wurde binnen weniger Monate die über 2000 Jahre alte historische Altstadt von Kashgar fast vollständig abgerissen. Die uighurische Hauptstadt gilt als die kulturhistorisch bedeutendste islamische Stadt Zentralasiens.

In den Schulen wird nur noch in chinesisch unterrichtet; die uighurische Sprache und Kultur werden unterdrückt. Uiguren werden darüber hinaus auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Wirtschaftliche und politische Ämter und Positionen werden fast ausschließlich durch ethnische Han-Chinesen besetzt. Dies führt nicht nur zu einer hohen Arbeitslosenquote unter der ethnischen Minderheit, sondern auch zu Spannungen.

Foto: David Stanley/www.flickr.com/Creative Commons

#Xinjang als Internierungslager

Die Vereinten Nationen schätzen, dass zirka eine Millionen Uiguren derzeit inhaftiert sind und die autonome Region Xinjiang als massives Internierungslager fungiert. Human Rights Watch geht von rund 100 Arbeitslagern aus, in welchen die Uiguren ohne Rechtsgrundlage inhaftiert, misshandelt und gefoltert werden. Sie werden in diesen Lagern gezwungen Chinesisch zu lernen, Propagandamaterial auswendig zu lernen, müssen die chinesische Nationalhymne singen und sollen ihrer Religion abschwören. Wer dabei nicht überzeugend ist, wird unter anderem mit Schlägen oder Nahrungsentzug bestraft. Die chinesische Regierung rechtfertigt dieses Vorgehen als notwendiges Mittel für Frieden und Sicherheit. Es handle sich bei den Lagern offiziell lediglich um Bildungs- und Ausbildungszentren.

 

Quellen & weiterführende Links:

# Deutschlandfunk (2018) „Politische Umerziehungslager in Xinjiang“ von Axel Dorloff. Abrufbar unter: https://www.deutschlandfunk.de/uiguren-in-china-politische-umerziehungslager-in-xinjiang.724.de.html?dram%3Aarticle_id=428050 (Stand 21.10.2018)

# DW.COM (2018) „HRW: China für Uiguren-Unterdrückung strafen“. Abrufbar unter: https://www.dw.com/de/hrw-china-f%C3%BCr-uiguren-unterdr%C3%BCckung-strafen/a-45425700 (Stand 21.10.2018)

# Gesellschaft für bedrohte Völker (2009) „Menschenrechtsreport Nr. 60: Rettet Kashgar! Schatz der Seidenstraße in Gefahr – Chinas Behörden lassen Altstadt Kashgars niederreißen.“ Abrufbar unter: https://www.gfbv.de/fileadmin/redaktion/Reporte_Memoranden/2009/Rettet_kashgar-MenschenrechtsreportNr.60.pdf (Stand 21.10.2018)

# Human Rights Watch (2018) “World Report 2018” Abrufbar unter: https://www.hrw.org/world-report/2018/country-chapters/china-and-tibet#7934d0 (Stand 21.10.2018)

# New York Times (2018) “U.N. Panel Confronts China Over Reports That It Holds a Million Uighurs in Camps” von Nick Cumming-Bruce. Abrufbar unter: https://www.nytimes.com/2018/08/10/world/asia/china-xinjiang-un-uighurs.html (Stand 21.10.2018)

# Süddeutsche Zeitung (2018) „Internierungslager für eine Million Uiguren“ von Christoph Giesen und Kai Strittmatter. Abrufbar unter: https://www.sueddeutsche.de/politik/china-internierungslager-fuer-eine-million-uiguren-1.4122300 (Stand 21.10.2018)

# World Uyghur Congress (2018) “Parallel Submission to the Committee on the Elimination of Racial Discrimination (CERD) for the People’s Republic of China (PRC)”. Abrufbar unter: https://tbinternet.ohchr.org/Treaties/CERD/Shared%20Documents/CHN/INT_CERD_NGO_CHN_31745_E.pdf (Stand 21.10.2018)

# World Uyghur Congress (2018) “UN Human Rights Council Oral Statement on Uyghur ‘Re-Education’ Camps”. Abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=iRHvQFGdw3o (Stand 21.10.2018)

# Zeit Online (2018) „Vereinte Nationen: China rechtfertigt Unterdrückung der Uiguren“. Abrufbar unter: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-08/vereinte-nationen-uiguren-internierung-china-reaktion (Stand 21.10.2018)

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