#Ge·no·zid·blogger e.V.
24 Okt 2016

Text: Corinna

#Völkermord-Verleugnung

etwas verleugnen = sich nicht zu jemandem oder etwas bekennen, sondern sich energisch davon distanzieren (Definition: Duden)

Auf jeden Völkermord folgt erst einmal die Verleugnung. Die Täter versuchen, alle Spuren zu verwischen und sich der Verantwortung zu entziehen. Vernichtungsstätten und Aufzeichnungen werden zerstört, Massengräber zugeschüttet und versteckt. Man versucht, die Leichen diskret zu entsorgen und schüchtert Augenzeugen ein.

KZ Sachsenhausen

Entweder werden Völkermordanschuldigungen als Propagandalügen abgetan, oder die Täter bestreiten, dass überhaupt irgendwelche Verbrechen begangen wurden. Oftmals schieben die Verantwortlichen alle Schuld auf die Opfer und argumentieren, dass die Taten (falls sie zugegeben werden) „lediglich“ Kriegshandlungen und damit Ausdruck eines Bürgerkriegs waren. Allerdings schließen sich ein Völkermord und ein Bürgerkrieg nicht gegenseitig aus, denn obwohl ein Genozid auch in Friedenszeiten geschehen kann, so ist er doch oft in einen kriegerischen Kontext integriert.

#Armenien & der Holocaust

#Armenien: Eines der bekanntesten und meistdiskutierten Beispiele der Völkermord-Verleugnung ist der Genozid an den Armeniern 1914 – 1915. Die Türkei, als Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs, weist den Völkermordvorwurf scharf zurück und teilt gerne politische Rundumschläge aus, sollte ein Staat es wagen, das Massaker an den Armeniern als Völkermord anzuerkennen. Zuletzt geschah das mit der Bundesrepublik Deutschland. Als der Deutsche Bundestag im Juni 2016 das Verbrechen an den Armeniern als Völkermord anerkannte, kam es zu einem politischen Eklat. Der türkische Botschafter wurde aus Berlin abgezogen und der deutsche Botschafter in Ankara einbestellt. Türkische Politiker drohten türkischstämmigen Bundestagsangeordneten und twitterten „Deutschland solle sich um seine eigene schmutzige Geschichte kümmern“.

Obwohl es eine leichte Öffnung in der türkischen Gesellschaft zu dem Thema Genozid an den Armeniern gibt, beharrt der Staat darauf, dass es sich um eine „Völkermord-Lüge“ handle. Zwar gesteht man ein, dass es diverse Verbrechen gegen die armenische Bevölkerung gab, diese aber kriegsnotwendige Handlungen im Zuge des 1. Weltkriegs waren, denn die Armenier waren innere Feinde, die für die Sowjetunion kämpften.

Genocide Memorial assyrians armeniansFoto: z@doune/www.flickr.com/Creative Commons

#Holocaust: Kaum zu glauben, aber wahr: es gibt tatsächlich Menschen, die den Holocaust verleugnen, obwohl er einer der am besten recherchierten und dokumentierten Völkermorde ist. In vielen Ländern Europas ist es strafrechtlich verboten, den Holocaust zu verleugnen, so auch in Deutschland nach §130 Abs. 3 StGB.

Hierzulande, aber auch in Amerika, versuchen viele Rechtsextremisten, den Völkermord an den Juden mit pseudowissenschaftlichen Gutachten und Lügen zu verharmlosen oder gar zu verleugnen. So relativieren sie die NS-Verbrechen, zweifeln die Opferzahlen an und stellen teilweise sogar die Existenz von diversen Vernichtungslagern und Gaskammern in Frage.

Wer mehr über das Thema „Die Auschwitzlüge“ und die Argumentation der Holocaust-Leugner erfahren möchte, dem lege ich diesen Artikel der Bundeszentrale für Politische Bildung ans Herz.

Holocaust Mahnmal Berlin

#Warum ist die Anerkennung so wichtig?

Warum ist es so wichtig, dass ein Völkermord anerkannt wird? Vor allem, wenn er schon über 100 Jahre zurückliegt? Wem bringt das noch etwas?

Vor allem ist die Anerkennung eines Völkermords ein Akt der Anerkennung der Opfer und die Verneigung vor ihnen. Aber die Verleugnung ist auch, wie in der Überschrift angedeutet, immer der letzte Akt eines Genozids. Die Opfer und auch Überlebenden werden gedemütigt und verhöhnt.

Nicht zuletzt hat die Anerkennung auch einen präventiven Charakter, denn um zukünftige Völkermorde zu verhindern, muss die Antwort auf solch eine Tat immer Gerechtigkeit heißen. Nur wenn die Täter bestraft werden und den Opfern Gerechtigkeit widerfährt, können die Menschen in die Zukunft blicken. Ohne eine Bestrafung werden die Opfer auf Rache drängen, und der Kreislauf des Mordens beginnt von neuem.  Wenn eine Gräueltat wie diese ungestraft bleibt, öffnet sie die Tür zu weiteren Verbrechen.

Schon Hitler sagte damals: „Wer nach allem spricht heute noch von der Vernichtung der Armenier?“.1

1 Jones, A. (2010) „Genocide – A Comprehensive Introduction“ 2nd Ed.; S. 149

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